Newsletter 12/2025

Extruder in der Mechanochemie – ein Einblick

Die Abfallproblematik in der chemischen Industrie erfordert neue, umweltfreundliche Lösungsansätze. Die Kombination von Mechanochemie mit kontinuierlicher Extrusion stellt dabei einen vielversprechenden Ansatz dar.

Die zunehmenden Probleme bei der Abfallentsorgung in der chemischen Industrie fordern nachhaltige Lösungen. Eine besonders vielversprechende Strategie ist die Mechanochemie, ein Verfahren, das sich in verschiedensten Bereichen der Chemie als wirkungsvoll erwiesen hat. Mechanochemische Reaktionen zeichnen sich durch ihre Umweltfreundlichkeit aus, da sie häufig ohne Lösungsmittel auskommen und dabei hohe Ausbeuten erzielen und kurze Reaktionszeiten ermöglichen. Derzeit wird mechanische Energie meist durch Kugelmahlung zugeführt, was ein etabliertes Verfahren ist, sich aber auf kleine Produktionsmengen beschränkt. Die Skalierung auf industrielle Maßstäbe stellt bislang eine Herausforderung dar. Um diesen Engpass zu überwinden, rückt die kontinuierliche reaktive Extrusion zunehmend in den Fokus. Sie bietet das Potenzial, mechanochemische Prozesse effizient, kontinuierlich und ressourcenschonend in die industrielle Praxis zu überführen.

Viviene Chantrain forscht zu diesem Thema im Team von Prof. Dr. Borchardt an der Ruhr-Universität in Bochum: «Wir sind überzeugt davon, dass Mechanochemie einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der chemischen Industrie hin zu nachhaltiger Nutzung von Ressourcen und Energie leistet. Da allerdings die Produktionskapazitäten der meisten Kugelmühlen aus sicherheitstechnischen Gründen begrenzt sind, bietet sich der Extruder als leicht skalierbare und kontinuierliche Methode an.»

Mit Einsatz eines Three-Tec Extruders ZE 12, L/D 40:1 hat Viviene Chantrain und ihr Team das erste direkte mechanokatalytische Reaktionsprotokoll für die Suzuki-Miyaura-Reaktion* im Extruder entwickelt. Durch das Beschichten der Schnecken oder des Zylinders des Extruders mit einer dünnen Palladiumschicht konnten sie Kreuzkupplungsreaktionen kontinuierlich, lösungsmittelfrei und ohne Zugabe molekularer oder pulverförmiger Katalysatoren durchführen.

Die Untersuchung verdeutlicht das empfindliche Zusammenspiel zentraler Prozessparameter wie Temperatur, mechanische Energiezufuhr, Verweilzeit, Rheologie und Katalysatorkontaktzeit. Eine gezielte Optimierung dieser Parameter führte zu Produktausbeuten von 36 % bzw. 75 % bei längeren Reaktionszeiten. Der Extruder und die Unterstützung von Three-Tec konnten Viviene Chantrain bei ihrer Arbeit überzeugen: «Der Three-Tec Extruder zeichnet sich für mich besonders durch sein nutzerfreundliches und flexibles Design aus, da uns dies erlaubt, viele verschiedene Synthesemethoden einzusetzen oder kaskadische Reaktionen zu fahren. Man merkt während der Nutzung ganz eindeutig, wie durchdacht das Design des Extruders ist, besonders in den Details. Three-Tec stand uns bei Problemen und Fragen immer hilfreich zur Seite. Sogar bei unseren ungewöhnlichen Spezialteilen und sehr spezifischen Problemen wurden wir immer ernst genommen und kompetent wie auch freundlich beraten.»

Die Ergebnisse der Forschung leisten einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Mechanokatalyse hin zu einem kontinuierlichen, skalierbaren und industrietauglichen Verfahren. Mit Blick auf die Zukunft soll die Mechanochemie für die industrielle Fertigung attraktiver gemacht werden. Insbesondere durch weitere Kugelmühlenprotokolle, die anhand der gezeigten Trends für den Extruder adaptiert werden (z.B. Amidbindungsbildung, Buchwald-Hartwig-Kupplung, Dakin-Reaktion, Michael-Addition, Heck-Reaktion oder Friedel–Crafts-Reaktion). Gleichzeitig sollte auch das geometrische Scale-up auf größere Extruder/Schnecken für die benötigten Reaktionsmischungen und deren teils ungünstige Rheologie sowie die exakten Einflüsse der verschiedenen Knetelemente und deren Anzahl weiter untersucht werden.

Hier finden Sie das komplette Paper «Continuous Direct Mechanocatalytic Suzuki-Miyaura Coupling via Twin-Screw Extrusion».

Viviene Chantrain hat ihre Masterarbeit zum Thema «Mechanochemical synthesis by extrusion» geschrieben. Aktuell ist sie Doktorandin an der Ruhr-Universität in Bochum, wo sie weiterhin zum Thema «Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit mechanochemischer Prozesse» forscht.

MC

* Die Suzuki-Miyaura-Reaktion ist eine chemische Reaktion, mit der sich zwei organische Moleküle durch eine C-C-Bindung miteinander verbinden lassen. Die Reaktion verbindet ein Molekül, das ein Bor-Atom enthält, mit einem anderen Molekül, das ein Halogenatom wie Brom oder Iod trägt. Damit diese Kopplung effizient abläuft, ist ein Palladium-Katalysator notwendig. Er beschleunigt die Reaktion und ermöglicht die Verbindung unter milden Bedingungen. Zusätzlich wird eine Base hinzugegeben, die für den Katalysezyklus notwendig ist. Das Ergebnis ist ein neues, oft komplexeres Molekül, in dem zwei Kohlenstoffgruppen direkt miteinander verbunden sind. Die Suzuki-Miyaura-Reaktion ist wegen ihrer Zuverlässigkeit und Vielseitigkeit eine der wichtigsten Methoden in der modernen organischen Chemie. Sie wird häufig in der Pharmaforschung, bei der Herstellung von Wirkstoffen sowie in der Materialwissenschaft eingesetzt.

Präzise Dosierung im Milligrammbereich

In einer aktuellen Versuchsreihe wurde die Dosierleistung unserer Geräte bei sehr kleinen Zielmengen untersucht. Ziel war eine Batch-Dosierung von 60 mg Pulver mit einer zulässigen Toleranz von ±3 % für ein künftiges Projekt.

Die Aufgabe der Versuche bestand darin, das Batchgewicht von 60 mg (0,06 g) mit einer maximalen Abweichung von ± 1,8 mg zu erreichen. Ziel war, für ein zukünftiges Kundenprojekt die technische Machbarkeit und Prozesssicherheit bei dieser geringen Menge zu prüfen. Für die Tests wurde ein feinkörniges Gries mit einer Korngrösse unter 300 µm verwendet, das vergleichbar mit dem Originalprodukt des Kunden ist.

Zum Einsatz kam das kleinste Dosiergeräte aus unserem Portfolio, ein Flachbodendosiergerät ZD 5 FB, bei dem die ausgetragene Menge kontinuierlich mit einer hochauflösenden Wägezelle verwogen und die Schneckendrehzahl entsprechend nachgeregelt wurde. Die Versuche wurden in unserem Versuchslabor unter stabilen Umgebungsbedingungen durchgeführt, um äussere Einflüsse zu minimieren.

Die Tests wurden erfolgreich ausgeführt: Die erreichten Dosierwerte lagen innerhalb der Toleranz von ±1,8 mg. Damit wurde bestätigt, dass das Gerät auch im niedrigen Milligrammbereich präzise und wiederholbar arbeitet. Die Messergebnisse zeigten zudem, dass durch Feineinstellung der Parameter eine stabile Dosierleistung über mehrere Chargen hinweg erzielt werden kann. Schwankungen im Materialfluss oder der Schüttdichte wirkten sich dabei nur geringfügig auf das Ergebnis aus.

Diagramm

Messresultate der Versuche (Gewicht/Zeit)

Drei der hochpräzisen Dosiergeräte werden künftig in eine Produktionslinie der Kunden eingebunden. Diese Geräte ergänzen den Prozess, indem sie in bereits vorgefüllte Behältnisse eine kleine Pulvermenge hinzufügen. Die Integration erfolgt sowohl mechanisch als auch steuerungstechnisch. Über standardisierte Schnittstellen können die Geräte direkt mit der Anlagensteuerung kommunizieren. Damit lässt sich der Dosierprozess automatisiert und reproduzierbar ausführen. Das kompakte Design der Geräte ermöglicht eine einfache Einbindung in bestehende Anlagenstrukturen.

Weitere Informationen zu unseren Dosiergeräten finden Sie hier.

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60 mg dosiertes Material

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Flachbodendosiergerät ZD 5 FB

Aktuelle Projekte

Viele unserer Geräte werden nach spezifischen Anforderungen der Kunden speziell für ihre Zwecke entwickelt und produziert. Wir zeigen Ihnen einige Geräte und Anlagen, die in den vergangenen Monaten fertiggestellt und ausgeliefert wurden.

Extruder für die Herstellung von Fleischersatzprodukten und gepufften Snackprodukten

Geräte:
Extruder ZE 12 HMI, Dosiergerät ZD 12 B gravimetrisch, Flüssigdosierpumpe

Branche/Verwendung:
Forschung. Herstellung von Fleischersatzprodukten und gepufften Snackprodukten

Besonderheit:

  • Modulare Kühldüse
  • Herstellung von HMMA (High Moisture Meat Analogues) und TVP (Texturized Vegetable Protein)

Extruder mit Split-Barrel mit Rezirkulationskanal

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Geräte:
Extruder ZE 5 HMI, Split-Barrel mit Rezirkulationskanal

Branche/Verwendung:
Forschung und Entwicklung. Depolymerisation von Kunststoffen

Besonderheit:
Das Barrel wurde mit einem Rückführungskanal ausgestattet. Dank diesem kann das Material nach einem Extrusionsvorgang wieder zurück zur Schnecke geführt und der Vorgang beliebig oft wiederholt werden. Dies verbessert die Homogenisierung der Schmelze zum Beispiel bei schwer schmelzenden Bestandteilen oder schwer mischbaren Produkten. Sobald der gewünschte Verarbeitungsgrad erreicht wurde, kann der Bediener den Hebel umlegen und das Material wird durch die austauschbare Düsenöffnung extrudiert. Bei unserer Lösung kann das Barrel regulär mit einer Standarddüse betrieben werden. Im Gegensatz zu anderen Systemen gibt es somit keine Beeinträchtigung durch aufwändige Austrittsgeometrien, wenn eine Extrusion ohne Rezirkulation betrieben werden soll. Das Extrudat muss dann weder umgelenkt noch durch das Umschaltventil geleitet werden, was die Extrudierbarkeit und die Reinigbarkeit erheblich verbessert. Das ermöglicht mehr Optionen ohne die Nachteile bei einem Extrusionsprozess ohne Rezirkulation.

Extruder für die Forschung und Entwicklung von chemischen Reaktionen

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Geräte:
Extruder ZE 12 HMI auf Rollwagen für den Einsatz in einem Stehabzug, Split-Barrel mit und ohne Gegenlager betreibbar, Flachbodendosiergerät ZD 9 FB gravimetrisch, Mikrozahnringpumpe beheizbar, Thermostat, um das Barrel in den letzten Zonen tiefkühlen zu können

Branche/Verwendung:
Forschung und Entwicklung von chemischen Reaktionen, Polymerherstellung, Melt Granulation, Pulverisierung im Barrel

Besonderheit:
Das Material wird geschmolzen und in den letzten Barrelzonen wieder tiefgekühlt, um das Material erstarren zu lassen und zu pulverisieren. Die ganze Anlage steht auf einem Tisch (Sondergestell), damit die Anlage in eine Abzug gerollt werden kann.

Extrusionslinie für Schmelz- und Feuchtextrusion

Geräte:
Extruder ZE 18 HMI, zwei Flachbodendosiergeräte ZD 12 FB gravimetrisch im Hygiene-Design, Seitendosierer, Kühlförderband, Granulator, Heissabschlag

Branche/Verwendung:
Pharma. Die Extrusionslinie wird sowohl für Schmelz- als auch Feuchtextrusion/-granulation verwendet

Besonderheit:

  • GMP-Anlage mit kompletter Dokumentation
  • neuartiges Impuls-Kühlsystem von Extruderbarrel für präzise Temperaturkontrolle
  • maximale Flexibilität für Prozessentwicklung

Laborextruder mit neu entwickeltem Heissabschlag

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Geräte:
Extruder ZE 12 HMI, Seitendosiergerät ZD 12, Heissabschlag, Mikrozahnringpumpe

Branche/Verwendung:
Chemie. Entwicklung von Lösungen für die CO₂-Reduktion in der Industrie

Besonderheit:

  • Neu entwickelter, leistungsfähiger Heissabschlag mit dreischneidigem Rotationsmesser und stärkerem Motor
  • Seitendosierer für die zwangsweise Zuführung von schwer fliessender Trockenkomponente mit Verklumpungstendenzen.

Die komplette Fertigungslinie aus einer Hand

Unser Sortiment umfasst eine breite Auswahl an Prozessequipment, mit dem komplette Fertigungslinien realisiert werden können.

Neben unseren Hauptgeräten, den Extrudern und Dosiergeräten, bieten wir auch eine breite Auswahl an Zusatzgeräten an. Bei der Planung einer kompletten Fertigungslinie übernehmen wir die Entwicklung, Herstellung, Integration und Abstimmung aller Komponenten. Damit haben Sie nur einen Ansprechpartner mit klaren Zuständigkeiten und eine Anlage, die von Anfang an als Einheit konzipiert ist. Falls erforderlich, integrieren wir auch Geräte von Drittanbietern, damit sie sich nahtlos einfügen. Von der ersten Idee bis zur Inbetriebnahme bleiben wir der einzige Ansprechpartner unserer Kunden.

Alle unsere Geräte werden an unserem Standort in Seon gefertigt. Damit behalten wir die Kontrolle über jeden Schritt: Vom Rohmaterial über die Bearbeitung bis zum fertigen Gerät. Das garantiert kurze Wege, schnelle Reaktionszeiten und höchste Qualität.

Das Prozessequipment in unserem Portfolio:

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Granulator HMI

Mit dem Granulator HMI lassen sich Stränge zu Granulat verarbeiten. Die Granulatgrösse kann während dem Verarbeitungsprozess zwischen 0.5 bis 15 mm eingestellt werden.

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Förderband Labor

Das Förderband eignet sich für den schonenden Abtransport und das Abkühlen des Extrudates mit einer Temperatur von bis zu 300 °C.

Folienwalze

Folienwalze

Die Folienwalze ermöglicht das Kalibrieren von flachen Extrudaten. Ausserdem können runde Extrudate zu einer Folie ausgewalzt und gleichmässig auf eine Spule aufgewickelt werden.

Kühlwalze

Kühlwalze

Die Kühlwalze eignet sich für das effiziente und kontinuierliche Abkühlen und Zerkleinern von Extrudaten ab ca. 3 kg/h bis ca. 100 kg/h.

Heissabschlag

Heissabschlag

Mit dem Heissabschlag lässt sich das Extrudat mit einem oder mehreren direkt an der Düsenplatte anliegenden Messern in Granulat von Grössen zwischen 0.5 bis 10 mm  verarbeiten.

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Förderband Labor

Mit dem Kühlförderband können Extrudate und Granulate effizient abgekühlt und schonend abtransportiert werden. 

Aufwickler

Aufwickler

Der Aufwickler eignet sich für das Aufwickeln des Extrudates auf eine Spule. Die Zugkraft zwischen der Abzugsrolle und der Spule ist einstellbar, was ein sehr gleichmässiges Wickeln ermöglicht.

Stopfdosierer

Stopfdosiergerät

Das Stopfdosiergerät wird für die zuverlässige Zuführung von sehr schlecht dosierbaren bzw. sehr kohäsiven und sehr leichten Produkten in einen Extruder verwendet.

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Spheronizer

Der Spheronizer wird für das Reduzieren der Länge und das Abrunden von feinen Extrudatsträngen eingesetzt. Je nach Behältergrösse kann eine Batchmenge von 5 bis 2'000 g verarbeitet werden.

Wasserbad

Kühlbad

Das Kühlbad in unterschiedlichen Längen und Ausführungen dient zur effizienten Abkühlung verschiedener Extrudate vor der Weiterverarbeitung mit einem Aufwickler oder Granulator.

Kalander

Kalander

Der Kalander ist ein vielseitig einsetzbares Laborgerät, mit dem in Kombination mit einem Hot Melt Extruder Tabletten direkt aus dem noch heissen Extrudat kontinuierlich hergestellt werden können.

Seitendosiergerät

Seitendosiergerät

Mit einem Seitendosiergerät werden Pulver, Granulate oder Fasern in einen Extruder zwangszungeführt. 

Mehr Informationen zu unserem Prozessequipment finden Sie hier.

 

 

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